155 Jahre Freiwillige Feuerwehr Stadtbergen
Eine Geschichte des Wandels
Blickt man auf die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Stadtbergen zurück, wird vor allem eines deutlich: Die Aufgaben haben sich verändert, der Grundgedanke ist geblieben.
1871 standen Bürger mit einer einfachen Handdruckspritze bereit, um ihre Nachbarn vor Feuer zu schützen. Heute stehen hoch ausgebildete Einsatzkräfte mit modernen Lösch- und Hilfeleistungsfahrzeugen, digitaler Kommunikation und umfangreicher Spezialausrüstung bereit. Aus der kleinen Dorffeuerwehr des 19. Jahrhunderts ist eine moderne und vielseitig einsetzbare Feuerwehr geworden.
Geblieben ist jedoch das Ehrenamt: Menschen aus Stadtbergen stellen ihre Zeit zur Verfügung, bilden sich fort, üben regelmäßig und verlassen bei einem Alarm ihren Arbeitsplatz, ihre Familie oder ihre Freizeit, um anderen zu helfen.
Seit dem 24. September 1871 steht die Freiwillige Feuerwehr Stadtbergen damit für Gemeinschaft, Hilfsbereitschaft und Verantwortung. Und auch nach 155 Jahren gilt weiterhin: „Unsere Freizeit für Ihre Sicherheit.“
1871 – Die Gründung
Die ersten Jahrzehnte – Aufbau und Entwicklung Mit einfachen Mitteln und großem Zusammenhalt wächst die junge Wehr.
Nach mehreren schweren Bränden in der Gemeinde, darunter ein Großbrand im Jahr 1871, entstand unter den Bürgern der Wunsch, den Brandschutz künftig organisiert und gemeinschaftlich sicherzustellen. In einer Bürgerversammlung wurde deshalb die Gründung einer „freiwilligen Feuerwehr“ beschlossen. Damit legten engagierte Bürger den Grundstein für eine Einrichtung, die bis heute einen wichtigen Bestandteil des öffentlichen Lebens in Stadtbergen bildet.
In der Niederschrift dieser Bürgerversammlung heißt es:
„Veranlaßt durch den jüngsten hierorts stattgehabten Brand gab die hiesige Bürgerschaft den speziellen Wunsch zu erkennen, die Errichtung einer „freiwilligen Feuerwehr“ anzubahnen. In Erwägung dessen, daß letzteres Institut wohl eines der zeitgemäßesten, zweckmäßigsten und gemeinnützlichsten der Gegenwart ist, ließ der Bürgermeister sämtliche Bürger und Bürgerssöhne hiesiger Gemeinde zu einer Versammlung durch den Gemeindediener vorladen, und wurde als Versammlungsort das Maischbergerische Gasthaus bestimmt. Es erschienen demnach die Geladenen und traten sofort in Beratung über den rubro bezeichneten Betreff.“
Die folgenden Versammlungen befassten sich mit der Beschaffung von Geräten und Ausrüstungsgegenständen. Eine Spende von 125 Gulden durch den damaligen Schlossherren aus dem Hause von Schnurrbein half bei der Finanzierung. So konnte als erstes Gerät eine vermutlich gebrauchte Handdruckspritze der Freiwilligen Feuerwehr Augsburg beschafft werden. Diese Spritze und ein vom ortsansässigen Schmiedemeister gefertigter Requisitenwagen für Schläuche, Handleitern und Feuerhaken bildeten über Jahre hinweg die Ausrüstung der Wehr.
Ihr erstes Feuerwehrhaus bezog die junge Feuerwehr gegenüber dem alten Schulhaus. Ab 1875 übernahm die Gemeinde die Kosten für die Ausrüstung.
Die ersten Jahrzehnte – Aufbau und Entwicklung
Mit einfachen Mitteln und großem Zusammenhalt wächst die junge Wehr.
In den ersten Jahrzehnten bestand die Hauptaufgabe der Feuerwehr darin, Brände zu bekämpfen und eine weitere Ausbreitung des Feuers zu verhindern. Die technische Ausstattung war mit den heutigen Möglichkeiten kaum vergleichbar. Muskelkraft, Handdruckspritzen, Schläuche, Leitern und Feuerhaken bildeten die Grundlage der Brandbekämpfung.
Zum 25-jährigen Gründungsfest wurde die ursprüngliche Handdruckspritze durch eine größere ersetzt. Zusätzlich verfügte die Wehr inzwischen über zwei Schlauchwagen und eine Steigleiter. Damit begann eine Entwicklung, die sich durch die gesamte Geschichte der Feuerwehr ziehen sollte: Neue Gefahren erfordern neue Technik, bessere Ausbildung und eine stetige Weiterentwicklung der Einsatzmöglichkeiten.
Während der beiden Weltkriege musste der Brandschutz in der Gemeinde aufrechterhalten werden. Die personell stark geschwächte Wehr hatte zahlreiche Einsätze zu bewältigen. Dies war nicht zuletzt durch die tatkräftige Unterstützung der Jugendfeuerwehr möglich. So konnte trotz der Fliegerangriffe gegen Ende des Zweiten Weltkrieges ein größerer Schaden von der Gemeinde Stadtbergen abgewendet werden.
Die Geschichte der Stadtberger Wehr zeigt damit bereits früh, wie wichtig Zusammenhalt und die Bereitschaft zum ehrenamtlichen Dienst für die Einsatzfähigkeit einer Feuerwehr sind.
Neubeginn, Wiederaufbau und neue Herausforderungen
Neue Technik und schwere Hochwasser erweitern das Einsatzspektrum.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann auch für die Feuerwehr eine neue Zeit. Die gesellschaftlichen und technischen Veränderungen der Nachkriegsjahre wirkten sich zunehmend auf den Feuerwehrdienst aus. Die Aufgaben gingen langsam über die reine Brandbekämpfung hinaus. Gleichzeitig wurden Fahrzeuge, Funktechnik, Schutzkleidung und Einsatzgeräte immer wichtiger.
Im Juni 1959 führte eine Kombination aus alpiner Schneeschmelze und extremen Regenfällen zu einer der schwersten Hochwasserkatastrophen der Nachkriegszeit im Raum Augsburg. Auch die Kameraden der Stadtberger Wehr waren gefordert. Zum Einsatz kam dabei die neu angeschaffte Tragkraftspritze, die heute noch im Gerätehaus Stadtbergen zu sehen ist.
1960 wurde das neue Feuerwehrgerätehaus an der Leitershofer Straße bezogen. Am 9. Mai 1963 fand dort auch das neue Löschfahrzeug LF 8 sein „Zuhause“.
Eine besondere Bewährungsprobe stellte die Hochwasserkatastrophe im Mai 1964 dar. Nach starken Regenfällen wurde Stadtbergen großflächig überflutet. Das Ausmaß der Schäden war erheblich. Zur Unterstützung der Stadtberger Feuerwehr wurden mehr als 15 Feuerwehren aus dem Landkreis Augsburg hinzugezogen.
Das Ereignis zeigte eindrucksvoll, dass die Feuerwehr nicht ausschließlich bei Bränden benötigt wird. Naturkatastrophen und technische Hilfeleistungen sollten in den folgenden Jahrzehnten immer stärker zum Aufgabenfeld der Feuerwehr gehören.
Auf dem Weg zur modernen Feuerwehr
Technischer Fortschritt und neue Freundschaften prägen die Entwicklung.
In den 1970er-Jahren veränderte sich das Aufgabenspektrum der Feuerwehr zunehmend. Neben Bränden wurden technische Hilfeleistungen immer wichtiger. Verkehrsunfälle, Wasserschäden, Ölspuren und andere Notlagen verlangten neue Geräte und eine entsprechend vielseitige Ausbildung. Die Entwicklung spiegelte damit auch die Veränderung der Gemeinde wider: Aus dem früher überwiegend landwirtschaftlich geprägten Ort wurde zunehmend eine moderne Gemeinde im direkten Umfeld der Stadt Augsburg.
Im Jahr 1971 konnte die Freiwillige Feuerwehr Stadtbergen auf 100 Jahre Feuerwehrgeschichte zurückblicken. Dieses Jubiläum wurde am 7. und 8. August gebührend gefeiert. Ein Jahrhundert nach ihrer Gründung war aus der Feuerwehr mit Handdruckspritze eine moderne Einsatzorganisation geworden. Gleichzeitig war das Fundament dasselbe geblieben: Bürgerinnen und Bürger, die bereit waren, sich für die Sicherheit ihrer Mitmenschen einzusetzen.
Eine besondere Verbindung entstand eher zufällig im Jahr 1972. Die Feuerwehr Eltville am Rhein feierte ihr 100-jähriges Bestehen und lud per Zufallsprinzip Feuerwehren aus ganz Deutschland zur Mitfeier ein. Die Stadtberger Wehr nahm diese Einladung nach anfänglicher Verwunderung an und machte sich auf den Weg nach Hessen. Auf dem Fest wurde nicht nur die Freundschaft zu den Gastgebern geschlossen. Auch mit den Kameraden aus Eutin verstand man sich auf Anhieb besonders gut.
Im Folgejahr stand das 100-jährige Bestehen der Feuerwehr Eutin an. Die Freude über die Einladung war groß. Als der Zug mit den Stadtberger Feuerwehrleuten im Eutiner Bahnhof ankam, klang aus sämtlichen Lautsprechern der Bayerische Defiliermarsch.
Aus Zufallsbekanntschaften wurden Freundschaften, die im Jahr 1982 mit einem gemeinsamen Abzeichen besiegelt wurden.
Bis heute besteht diese Verbundenheit. Sie wird durch gegenseitige offizielle und private Besuche gefestigt. Die Jugendfeuerwehren treffen sich zu Zeltlagern, und selbst in Jahren ohne „runde Geburtstage“ finden Kameradschaftstreffen zur Pflege der Freundschaft statt.
Neue Einsatztechnik – weitere Herausforderungen
Neue Technik und schwere Hochwasser erweitern das Einsatzspektrum.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann auch für die Feuerwehr eine neue Zeit. Die gesellschaftlichen und technischen Veränderungen der Nachkriegsjahre wirkten sich zunehmend auf den Feuerwehrdienst aus. Die Aufgaben gingen langsam über die reine Brandbekämpfung hinaus. Gleichzeitig wurden Fahrzeuge, Funktechnik, Schutzkleidung und Einsatzgeräte immer wichtiger.
Im Juni 1959 führte eine Kombination aus alpiner Schneeschmelze und extremen Regenfällen zu einer der schwersten Hochwasserkatastrophen der Nachkriegszeit im Raum Augsburg. Auch die Kameraden der Stadtberger Wehr waren gefordert. Zum Einsatz kam dabei die neu angeschaffte Tragkraftspritze, die heute noch im Gerätehaus Stadtbergen zu sehen ist.
1960 wurde das neue Feuerwehrgerätehaus an der Leitershofer Straße bezogen. Am 9. Mai 1963 fand dort auch das neue Löschfahrzeug LF 8 sein „Zuhause“.
Eine besondere Bewährungsprobe stellte die Hochwasserkatastrophe im Mai 1964 dar. Nach starken Regenfällen wurde Stadtbergen großflächig überflutet. Das Ausmaß der Schäden war erheblich. Zur Unterstützung der Stadtberger Feuerwehr wurden mehr als 15 Feuerwehren aus dem Landkreis Augsburg hinzugezogen.
Das Ereignis zeigte eindrucksvoll, dass die Feuerwehr nicht ausschließlich bei Bränden benötigt wird. Naturkatastrophen und technische Hilfeleistungen sollten in den folgenden Jahrzehnten immer stärker zum Aufgabenfeld der Feuerwehr gehören.